Sehr geehrte Vereinsmitglieder, liebe Mitstreiter,

Vor mehr als zwölf Jahren wurde unser Verein, das „Aktionsbündnis STATTBILD e.V.“ gegründet. Die Gründungsmitglieder haben sich damals ein ehernes Ziel gesetzt, durch die Arbeit des Vereins dem illegalen Graffiti in unserer Stadt den Kampf anzusagen und diese lästige Plage aus dem Stadtbild zu vertreiben. Schaut man heute in das Stadtbild, bemerkt man Graffiti wie eh und je. War die Arbeit all die Jahre also umsonst? Haben wir den Kampf verloren?

Ich behaupte, keinesfalls. Gäbe es unsere Aktionen nicht, sähe Leipzig wahrscheinlich noch schlimmer aus. Leipzig ist nun einmal die Graffiti-Hochburg in Ostdeutschland. Zwei begünstigende Umstände seien hier genannt: die ausgeprägte links-autonome Szene und die Ortsabwesenheit von etwa 80 % der privaten Immobilieneigentümer. Gerade den letzten Aspekt haben wir versucht und versuchen wir auch weiterhin in unserer Arbeit zu berücksichtigen.

Was macht unsere Arbeit aus?
Auch im vorgenannten Berichtszeitraum bildeten die vier Tätigkeitsschwerpunkte

Sensibilisierung der Bevölkerung bzgl. des Themas „Illegale Graffiti“ Initiierung von Reinigungsaktionen zur Beseitigung illegaler Graffiti Hilfe und Unterstützung für Betroffene Präventionsarbeit

Die Grundlage unserer Vereinsarbeit. Allerdings standen zwei Punkte verstärkt im Vordergrund.

Das ist zum einen die Hilfe für Betroffene. Vier Mitgliedsfirmen bieten die Antigraffiti-Flatrate an. Es bleibt aber zu festzuhalten, dass noch viel zu wenig Immobilieneigentümer, da selbst nicht in Leipzig ansässig, Kenntnis von diesem wirksamen Dauerreinigungsangebot haben. Der Kontakt zu den zahlreichen, für die Betreuung dieser Immobilien zuständigen Hausverwaltern zeigte bislang wenig Resonanz. Daher müssen hier in Zukunft weitere Anstrengungen unternommen und Wege gefunden werden, um sowohl mit den Hausverwaltern in Gespräch zu kommen als auch die Immobilieneigentümer direkt oder indirekt zu kontaktieren.

Die vom Verein jährlich veranstalteten Reinigungsseminare zur Selbstbeseitigung illegaler Graffiti werden dagegen sehr gut angenommen. Die Teilnehmerzahlen bewegten sich stets zwischen 15 und 30 Personen, meist Hausmeister, aber auch Hauseigentümer waren vertreten.

Der zweite Arbeitsschwerpunkt liegt in der Präventionsarbeit, die sich vornehmlich auf Jugendliche im Alter von 8 bis 14 Jahren konzentriert. Seit dem Schuljahr 2007/2008 ruft das Aktionsbündnis STATTBILD e.V. gemeinsam mit der Stadt Leipzig, der Polizeidirektion und der sächsischen Bildungsagentur in Leipziger Schulen zum Wettbewerb „Aktion Saubere Schule“ auf. Gefragt waren dabei durch die Schüler initiierte Reinigungsaktionen in den Schulen sowie Ideen zur Vermeidung künftiger Verunreinigungen, insbesondere auch durch illegale Graffiti. Die Leistungen der Wettbewerbssieger wurden prämiert. Im Schuljahr 2011/2012 wurde durch die drei betreibenden Akteure erstmals angestrebt, die Aufmerksamkeit der Schüler auch über das Schulumfeld hinaus zu steigern. Dazu wurde die Aktion „Mein Bild von der Stadt - wie sehe ich Leipzig?“ kreiert. Ziel dieser Aktion ist es, Schüler anzuhalten, mit bewusstem und kritischem Blick durch die Stadt zu gehen. Dabei sollen Dinge erfasst werden, welche die Lebensqualität einschränken und das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung negativ beeinträchtigen. Zu diesen Missständen sollen sie dann Ideen und Vorschläge zur Abhilfe oder Verbesserung unterbreiten. Auf diese Art und Weise nehmen die Kinder und Jugendlichen aktiv an der Gestaltung der Stadt und der Verbesserung der Lebensqualität teil. Nicht zuletzt durch diese Auseinandersetzung mit Missständen können sie das verwerfliche Handeln als illegale Graffitischmierer erkennen und eine positive Wirkung auf ihr Lebensgefühl erfahren. Leider hat dieser Wettbewerb bei der gewünschten Zielgruppe zuletzt nicht mehr die erhoffte Aufmerksamkeit und damit die erhoffte Beteiligung erfahren. Daher wurde eine neue, jugendgemäßere Art der Ansprache gesucht. Entgegen der bisherigen Bewerbung über Plakate und Postkarten soll kurzer Werbespott mit jugendlichen Darstellern im Alter der Zielgruppe (8 – 14 Jahre) zur Teilnahme an der Aktion aufrufen. Durch die Fördermittel der Stadt Leipzig war es möglich, diesen Film professionell fertigen zu lassen. Über in der Stadt verteilte Plakate ohne Text, nur mit Bild und QR-Code soll die Neugier und infolge das Interesse der Jugendlichen geweckt werden. Der Anlauf der Kampagne ist für Februar 2016 geplant.

Als weiteres herausragendes Ereignis ist die kürzlich in Leipzig von der Firma InnoTec21 GmbH gemeinsam mit unserem Verein ausgerichtete 3. Europäische Fachkonferenz „Tatort-Kunstort-Graffiti“ zu nennen. Mehr als 80 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz suchten nach Ursachen und Lösungen des verbreiteten Problems illegaler Graffiti. Leider konnte das vorbereitete Leipziger Strategiepapier zur Entwicklung einer gesellschaftlichen Graffiti-Strategie nicht beschlossen und somit veröffentlicht werden.

Weitere Aktivitäten seien hier nur aufzählungsweise benannt.

  • Teilnahme am jährlichen Frühjahrsputz der Stadt Leipzig
  • Teilnahme an den Sitzungen der UAG
  • Pressegespräch mit IHK u. HWK
  • Teilnahme an der 30. Sicherheitskonferenz der Stadt Leipzig (2014)
  • Teilnahme an der 33. Sicherheitskonferenz der Stadt Leipzig „»(Un-)Ordnung im urbanen Raum?« (2015)
  • Teilnahme an der Veranstaltung „Sozialer Marktplatz der Stadt Leipzig“ Treffen von gemeinnützigen Vereinen der Stadt Leipzig, Austausch von Ressourcen
  • Ständiger Austausch mit der ZentraB Graffiti der PD Leipzig und dem Staatsanwalt Schliephake sowie dem Ordnungsamt der Stadt Leipzig

Diese Aktivitäten werden auch im kommenden Jahr gepflegt. Die Schwerpunkte liegen aber, wie bereits eingangs benannt, auf der Durchführung des neuen Wettbewerbs „Mein Bild von der Stadt“, die Kontaktsuche zu den Hausverwaltungen und die weitere ständige Propagierung der Anti-Graffiti-Flatrate.