Graffiti - Einflussfaktoren Bekannt ist, dass illegale Graffiti aus Sicht der Sprayer

Kommunikationsmittel zur Selbstdarstellung und Machtausübung sind und „fame“ im Mittelpunkt steht, können daraus entsprechende Einflussfaktoren ermittelt werden:
Verkehrswege (ÖPNV, Haltestellen, Kreuzungen)
Wie in der Werbeindustrie haben Kundenkontakte die größte Bedeutung auch für Sprayer. Dabei steht die eigene Szene im Mittelpunkt. „Man“ will gesehen werden. Nicht zuletzt ist der Sprayer interessiert, dass er selbst täglich an seinen Bildern vorbei fährt. Verkehrsmittel selbst sind klassische Angriffsobjekte für Sprayer und vor allem für das Scratchen.

Treffpunkte

Orte, an denen sich junge Leute typischer Weise treffen stehen im Mittelpunkt der Betrachtungen. Aus diesem Grunde hat sich die Stadt Leipzig auch zum konsequenten Sauberhalten der Schulen bekannt.
Schulsporthallen können, wenn die Örtlichkeiten und die Substanz insbesondere aus städtebaulicher Sicht geeignet sind, im Rahmen des Schulunterrichts farblich gestaltet werden. Allerdings sollte auch hier von einer unmittelbaren Farbgestaltung auf der Fassade Abstand genommen werden auf die Gestaltung von dementsprechenden Platten vermittels Pinsel und Farbe zurückgegriffen werden. Für denkmalgeschützte Gebäude gelten klare Richtlinien. Hier ist mit dem Denkmalpfleger des Regierungspräsidiums eine Meldepflicht zu präventiven Projekten vereinbart, die von vorn herein von einer sehr rücksichts- und verantwortungsvollen und diskreten Vorgehensweise ausgeht.

Eine jugendtypische Farbgestaltung von Jugendclubs ist auch unter Beachtung städtebaulicher Aspekte hingegen wünschenswert, wenn eine intensive sozialpädagogische Einflussnahme gegeben ist und die Graffitigestaltung der Baulichkeiten keinen negativen Einfluss auf die Besucher der Clubs befürchten lässt.

Erkennungsgefahr für den Sprayer

(Hell/Dunkel; Frequentierung durch mögliche Zeugen)
Die längerfristige Beobachtung der Szene zeigt: Auch Sprayer haben Angst, erwischt zu werden. Sprayer nutzen das Dunkel unbeleuchteter Bereiche. Überwachte Flächen, bis hin zu Kameraaufschaltungen, Streifentätigkeit und Präsenz von Wachleuten oder Anwohnern verstärken die Erkennungsgefahr für die Täter und halten vom Sprayen ab.

Zugänglichkeit von Flächen

Flächen müssen für den Sprayer erreichbar sein. Nur in wenigen Fällen werden auch Wände besprüht, die nur auf komplizierten Wegen erreichbar sind. Am meisten gefährdet sind Flächen an Straßenrändern und Giebelseiten. Dicht bewachsene Vorgärten, begrünte Fassaden oder eingezäunte Grundstücke sind weniger von illegalen Graffiti bedroht, als frei zugänglichen nur wenige besonders wirksame Flächen wie an Schornsteinen, Dächern oder großen Verkehrsschildern, die im Normalfall schlecht erreichbar sind, werden besprüht. Kaum ein Graffiti ist höher als 2,50 m.

Fluchtmöglichkeiten

Es ist festzustellen, dass Flächen, von denen eine Flucht vor Beobachtern oder ein Verstecken nicht möglich ist, kaum besprüht werden. So wirken sich auch lange Fluchtwege hemmend aus.

Reinigungszyklus

(Dauerhaftigkeit)
Von besonderer Bedeutung ist eine schnelle Reinigung von Graffiti. Betrachtet man die Flächen als „Leinwände“ zur Kommunikation/ Ruhm, wird deutlich, dass das Beseitigen von neuem Graffiti deutlich macht, dass diese Flächen zur Kommunikation nicht zur Verfügung stehen. Beharrlichkeit zahlt sich aus.

Architektonische/bautechnische Geschlossenheit der Fläche

Glatte Flächen sind in der Architektur nicht auszuschließen. Je geschlossener oder monotoner die Flächen sind und andere Einflussfaktoren hinzukommen, je höher ist die Gefahr der Verschmutzung. Mit abwechslungsreich gestalteten Flächen, z. B. durch (Nicht-Graffiti-)Kunst am Bau, interessante Farbgestaltungen u. ä. kann illegalen Graffiti erfolgreich entgegengewirkt werden.

Optische Wirksamkeit

(Symbolwirkung/Erkennbarkeit)
Obgleich in früheren Sprayerzeiten der Ehrenkodex vorsah, dass besonders sensible Baulichkeiten wie Krankenhäuser, Denkmäler, Kirchen oder Friedhofsmauern nicht besprüht werden, ist heute von diesem Grundsatz nicht mehr erkennbar. Die optische Wirksamkeit und Frequenz von Flächen ist der einzige Maßstab der Sprayer, je bedeutender, desto lieber. Besonders hohen fame gewinnt der Sprayer, der eine große Gefahr eingegangen ist (fahrende Züge, hohe Schornsteine usw.)

Gegenmaßnahmen

Was kann man präventiv gegen illegale Graffiti tun?

  • Bei Feststellung von Sprayern sofort die Polizei rufen; Personenbeschreibung mitteilen
  • In der Familie und im persönlichen Umfeld auf Sprayerutensilien achten (Spraydosen, Fotos, Skizzenbücher, Farbreste und -Geruch an Kleidung usw.), mit Jugendlichen das kritische Gespräch zu diesem Thema suchen
  • Neue Graffiti schnellstens dem Eigentümer und dem Ordnungsamt melden Graffiti – Telefon 123 8888 in Leipzig und ENTFERNEN!
  • Graffiti, auch die kleinen Tags als Eigentümer oder Verwalter unverzüglich zur Anzeige bringen und (nach Beweisaufnahme durch die Polizei) schnellstens beseitigen
  • Die Einsehbarkeit von gefährdeten Wandflächen reduzieren; durch Anpflanzen von Sträuchern, Kletterpflanzen u. a.
  • Grundstücke einzäunen oder deren freie Begehbarkeit reduzieren
  • Flächen beleuchten, ggf. Bei besonderer Bedrohung mit Kameras überwachen
  • Fassaden mit Graffiti – Prophylaxe beschichten lassen, so lassen sich neue Graffiti leicht und preiswert entfernen
  • Auf die Nachbarschaft Einfluss nehmen, dass illegale Graffiti schnell beseitigt werden
  • Baufassadengestaltung (Berücksichtigung bei Planungsphase)
  • Gerüste bei Baumaßnahmen gegen ungenehmigte Nutzung sichern
  • Sinnvolle Jugendarbeit fördern (Eigentümer, Schulen, Kirchen, Vereine, Streetworker)
  • Schadensersatzforderungen (Unentgeltliche Wiedergutmachung) stellen